Tabledance ist eine in Nachtclubs etablierte Form des erotischen Tanzes. Dabei treten sehr spärlich bekleidete Frauen oder Männer auf einer Bühne oder einem Tresen nahe beim Publikum auf. Im Unterschied zum Striptease werden die Kleidungsstücke in der Regel nicht abgelegt. Der Tabledance wurde in den USA erfunden. Dabei ist es üblich, dass die Tänzerinnen und Tänzer die Beine spreizen und den Unterkörper nahe dem Gesicht des Besuchers hin- und herschwenken. Ihnen werden dafür Geldscheine, das sogenannte Trinkgeld (englisch tip), an die Kleidung gesteckt. Verboten ist es, sie darüber hinaus anzufassen. Für eine Extrasumme können die Besucher Tänzer oder Tänzerinnen auswählen, die dann individuell auf dem Tisch des Gastes tanzen. Von diesem Tanz auf dem Tisch stammt der Name der Vorführung. Der Lapdance ist der Bauch- bzw. Hüfttanz (englisch lap)(lap = Biegung, Schoß). Der sogenannte Private Dance findet für eine höhere Summe in abgetrennten Zimmern statt, wo dann zumeist auch ein Striptease stattfindet. Die Bekleidung der Tänzerinnen und Tänzer dient mehr dazu, dem Publikum den Körper vorzuzeigen als ihn zu verhüllen. Die Kostüme sind oft sehr exotisch, um die Fantasie der Betrachter anzuregen. Nachtclubs, die sich ausschließlich dem Tabledance widmen, haben ein laufendes Programm, in dem sich Tänzerinnen und Tänzer ständig abwechseln. Die Betreiber achten darauf, dem Publikum unterschiedliche Typen vorzuführen, damit für jeden Betrachter etwas dabei ist. In der Regel handelt es sich jedoch um Frauen und Männer mit besonders ausgeprägten Körperformen. Wie weit die Grenze zum Striptease überschritten wird, hängt vom Profil des Lokals ab. In den USA wird zwischen dem nackten und dem oberkörperfreien Tabledance unterschieden. Tabledance-Bars sind längst keine zwielichtigen Lokale mehr, sondern oft Vergnügungsstätten der High Society. Eine andere Form des Tabledances wird während wilder Partys, wie zum Beispiel in der Faschingszeit praktiziert. Hierbei ist es verbreitet, auf den Tischen zu tanzen. Allerdings ist dies auf den meisten derartigen Veranstaltungen verboten — zum einen aufgrund möglicher Beschädigungen der Tische, und zum anderen weil dadurch Unfälle auftreten können.
Diese Kunst baut vor allem auf gekonnte Andeutungen und raffinierte Verzögerungen (englisch: to tease) während des verführerischen Tanzes der Stripperin oder des Strippers. Oft wurden und werden dabei auf der Bühne Geschichten inszeniert, treten die Stripperinnen z.B. in orientalischen Gewändern auf oder verkleiden sich als Salome, Lolita oder Marilyn Monroe. Gefragt sind vor allem Erotik und Sexappeal, persönliche Ausstrahlung und Phantasie. Zum Teil identifiziert sich der Zuschauer während des Strips mit der Darstellerin und projiziert in sie seine exhibitionistischen Wünsche. In diesem Sinne gibt der Striptease ein großes sinnliches Versprechen, das durch den nackten Körper niemals eingelöst werden kann, denn der Zuschauer verharrt beim Striptease in der Rolle des Zuschauers, auch wenn in modernen Stripshows Leute aus dem Publikum auf die Bühne geholt werden.
Vor 110 Jahren
Anette Schneider
Mein Gott, eine Gouluemanie hat Paris gepackt. Ich komm' nicht mal auf die Tanzfläche, ohne dass diese Zeitungsfritzen über mich herfallen.
Paris, Anfang 1893. Die berühmte Cancan-Tänzerin La Goulue, "die Unersättliche", kämpft sich auf die Bühne des "Moulin Rouge":
La Goulue, die wie ein Hund ihr Bein hob, verletzte jedes Schamgefühl. Die Pariser, Richter, Politiker, Rechtsanwälte, Schriftsteller und Intellektuelle, waren empört, strömten aber nichtsdestotrotz herbei. Man besuchte den "Palast der Frauen", um sich schockieren, unterhalten oder sexuell anregen zu lassen. Das "Moulin Rouge" wurde zum Wahrzeichen von Paris und war bald ebenso berühmt wie der Louvre oder der gerade errichtete Eiffelturm.
Das schreibt Lucinda Jarrett in ihrem Buch über die "Geschichte der erotischen Entkleidung". Während die bürgerliche Doppelmoral im "Moulin Rouge" nach zwei Zentimetern nackten Oberschenkels giert, geschieht einige Bezirke nördlich etwas, das La Goulue schon bald zu düsteren Ahnungen Anlass geben wird.
Im Quartier Latin feiern Künstler, Bohème und Möchtegern-Lebewelt einen "Künstlerball". Wein und Champagner fließen, die Musikband spielt, die Stimmung ist ausgelassen, und so kommt, was kommen muss: das Künstlermodell Mona, andernorts auch Manon genannt, entledigt sich übermütig ihrer Klei...
Die Polizei reagiert sofort: Mona - oder Manon - wird verhaftet und soll für ihr schamloses Verhalten 100 Franc Geldstrafe zahlen. Das Viertel steht Kopf.
"Sittenwächter", "Moralapostel", "Kleingeister"
Kunststudenten belagern die Polizeipräfektur, bis Mona - oder Manon - freigelassen wird.
Ihr wollt meine Meinung über Manon wissen? Lang lebe La Goulue und die Quadrille! Das ist mein Urteil. Hauptsache, die Mädchen werden nicht noch nackt durchs Viertel getragen, denn dann interessiert sich bald keiner mehr für einen Streifen nackter Haut am Oberschenkel.
In der Tat verwandeln Varieté- und Tanztheaterbesitzer schon wenig später, was die Gemüter derart bewegt, in klingende Münze, und so gehört, was aus einer Sektlaune heraus geschah, schon bald zum Repertoire der "Unterhaltungskultur". Natürlich kommt der Auftritt Manons - oder Monas - nicht aus dem Nichts. Bereits seit langem sind Frauen im singenden und tanzenden Unterhaltungsgewerbe tätig. "Lydia Thompson und die British Blondes" etwa waren 1868 die ersten, die nicht in langen Röcken, sondern in Strumpfhosen auf die Bühne traten und also zeigten, was bis dato sorgfältig verborgen blieb: Bein. Besser: Viele lange Beine.
Sie warf ihre flinken Beine nicht nur ein wenig höher, als man es bisher für möglich gehalten hatte, sondern es gelang ihr auch, mit ihren Haaren den Fußboden zu fegen.
Bei den meisten löste das Entzücken aus.
Es gibt spezielle Vertreterinnen des "Nacktdramas", die meiner Ansicht nach nichts anderes als strikte Zensur und strengen Tadel verdienen.
Wie gesagt: bei den meisten.
Ich spreche von Frauen, die weder Fisch noch Fleisch sind - weder Schauspielerinnen noch Ballettmädchen -, und die sich einer Berühmtheit erfreuen, von der die meisten seriösen Künstlerinnen nur träumen können...
So die Schauspielerin Olive Logan 1869. Im Cancan wie in der Burleske, dem rasanten Spiel mit Körper, Erotik und frechen Sprüchen, liegen die Wurzeln des Striptease, der für die Vertreter der hohen Kunst nicht einmal als niedere, populäre Unterhaltung durchgeht.
... Wie immer es um ihren Charakter bestellt sein mag - sei er gut oder schlecht - ihre öffentlichen Auftritte berechtigen uns dazu, sie als schamlos und unwürdig zu verurteilen.
Doch ob in den Vereinigten Staaten, wo in den 1870ern die Industrialisierung auf Hochtouren läuft und nach hartem Arbeitstag neureiche Geschäftsleute die Vergnügungsviertel stürmen, oder ob in Frankreich, wo "mann" nach dem deutsch-französischen Krieg und der Niederschlagung der Kommune endlich einmal wieder Spaß haben möchte: die Herren sind sich einig: Frauenbeine sind dafür nicht das Schlechteste.
Sie war reine provokative Exhibitionistin, die es genoss, ihr Publikum zu reizen und es dann erahnen zu lassen, was unter ihren Unterröcken verborgen war. Wenn sie ihr Bein hob, zeigte sie viel nacktes Fleisch zwischen den Strumpfbändern und der ersten Lage Unterwäsche. Der durchsichtige Stoff verhüllte kaum ihren Körper, und indem sie die Faszination, die sie hervorrief, genoss, wurde sie immer kühner und regte die Neugier ihres Publikums zu immer absurderen Spekulationen an.
Das schreibt ein Zeitgenosse über La Goulue. Doch schnell will das Publikum mehr. Und um nicht auf der Straße zu landen, lassen die Tänzerinnen ihre Hüllen fallen. Einige ziehen ihr Publikum damit über Jahre in Bann: Colette, Mata Hari oder Anita Berber gelten als Göttinnen der Erotik. Sie beherrschen die Kunst der Verführung, spielen mit Andeutungen und raffinierten Verzögerungen, sie wissen um ihre erotische Ausstrahlung und fachen die Phantasie der Zuschauer entsprechend an.
"Danse du ventre" - als die Öffentlichkeit erfuhr, dass die wörtliche Übersetzung "Bauchtanz" war, schloss sie entzückt daraus, dass er obszön und unmoralisch sein müsste. Die Menschen strömten herbei. Ich hatte eine Goldgrube.
Erinnert sich ein Bühnenbesitzer. Jeder Zuschauer soll das Gefühl haben, dass der Auftritt allein für ihn bestimmt sei, dass die Tänzerin allein seine Phantasien auslebt. Sie inszeniert Geschichten, tritt in orientalischen Gewändern auf, verkleidet sich als Salome oder Lolita. Gefragt ist weniger ein perfekter Körper als vor allem Erotik, persönliche Ausstrahlung und Phantasie. Doch selbst zu seiner Hoch-Zeit gilt der erotische und erotisierende Akt des Entkleidens nie als Kunst, stets bewegt er sich irgendwo zwischen Kunst und Pornographie, je nachdem, wie eng die moralischen Werte gerade gesteckt sind. Für La Goulue aber und ihre derbe, deftig-laute Quadrille war der Februar 1893 ein düsterer Monat.
Ich muss die Quadrille ein bisschen aufregender machen. Was würde Senator Béranger wohl dazu sagen, wenn ich statt weißer Schlüpfer zur Abwechslung mal rote, weiße und blaue anziehen würde? Ich will als Tänzerin bezahlt werden, und wenn die Nackten überhand nehmen, wird es fürs Tanzen kein Geld mehr geben. Also müssen wir zusehen, dass unser Tanz aufregend ist...
Bei Gogotänzern liegt die Betonung auf dem animativen Tanzen. Es wird versucht, die laufende und in der Regel nicht vorausgewählte Musik optimal zu interpretieren. So wird bei Techno anders getanzt als zu House oder zu R'n'B oder zur Partymusik. Das Ziel ist, das in der Regel gemischte Publikum zum einen zum Tanzen zu animieren und die Gäste, die um die Tanzfläche herum stehen zu unterhalten. Da viele Gogotänzer ihre tänzerischen Grundlagen in anderen Tanzgebieten wie z.B. Hip Hop, Ballett, Jazzdance etc. haben, kann man nicht von einer „Tanzrichtung“ Gogodance sprechen. Vielmehr verbinden Tänzer beim Gogodance viele Tanzrichtungen miteinander. Auch akrobatische Einlagen, meist aus der Breakdanceszene, können gezeigt werden. Erotische Bewegungen gibt es indes auch bei den Gogotänzern, das zeigen und berühren der Brust und der Intimzone ist jedoch den Striptease- und Tabletänzern vorbehalten. Somit unterscheidet sich die Performance von Gogotänzern gegenüber Tabledancer und Stripper enorm: Stripper haben in der Regel eine feste Choreographie auf ein bestimmtes Lied, wobei beim Partystrip mit Accessoires wie z.B. Sahne gearbeitet wird. Meist wird hier auch Gast aus dem Publikum genommen, der sich auf einen Stuhl setzt und somit in die Performance mit einbezogen wird. Oben-ohne Tänzerinnen haben beim Poledance auch eine mehr oder weniger feste Choreographie an der Stange, wo hingegen die Tabledancer sich wie Gogos ganz frei zur Musik bewegen - jedoch fast nur erotische Bewegungen bei langsamer Musik mit starker Betonung auf das Körperliche mit viel Po- und Brustaffinität.
Auch das Gogotanzen unterliegt Trends. In den 90ern zu Technozeiten wurde zum einen leicht bekleidet (im Bikini) getanzt. Bei den ersten Versionen der Loveparade sah man hingegen noch Plüschkostüme in allen möglichen Neonfarben. Anfang 2000 gab es dann viele selbstgeschneiderte Glitzerkostüme in kräftigen Farben. Heute sieht man in den Clubs mehr kurze Kleider und hochwertige Bekleidung, in den Großraumdiscotheken hingegen gerade bei männlichen Gogos zerschnittenen Hosen etc. Vereinzelt sieht man bei Themenparties die Gogos auch regelrecht kostümiert, z.B. als Krankenschwester, Polizistin oder Cheerleader. Nach wie vor versuchen die Gogos bei der Kostümwahl, möglichst erotisch auszusehen, ohne dabei jedoch obszön zu sein.
Von Anfang an war der Striptease, wie jede andere Darbietung, kommerzialisiert. Nachtlokale verlangen für ihre Vorführungen ebenso Eintrittsgelder, wie dies auch andere Etablissements tun. Ebenso wie Zauberkünstler oder Tänzer, verlangen auch männliche oder weibliche Stripper für ihr Engagement Geld. Auch wird für jede öffentliche Striptease-Vorführung Vergnügungssteuer gezahlt.
Wie hoch die jeweilige Vergnügungssteuer ausfällt, ist in den Bundesländern und in den einzelnen Städten völlig unterschiedlich. Die Komunen selbst bestimmen die Höhe der Abgaben. Die Stadt Leipzig zum Beispiel ist eine der Komunen, die die höchsten Vergnügungssteuern erhebt. Neben schwierigen Genehmigungsverfahren beim Anmelden der Konzeption für "Zur Schaustellung von Personen", zieht die Stadt, unabhängig von der Besucherzahl, je nach Größe der Objekte eine empfindliche Vergnügungssteuer ein.
Die Auftritte von Gogo-Tänzern sind pro Nacht ungefähr 4 Mal 15 oder 3 Mal 20 Minuten, dafür verdienen sie 70 bis 150 Euro. Für Oben-Ohne werden auch höhere Summen gezahlt. Obgleich beim Nacktsein beim Tabledance und Striptease höhere Gagen winken, wollen sich die meisten Gogos nicht ausziehen und versuchen ihren Gesprächspartner zu belehren, wenn wieder jemand Gogodance mit der „erotischen Szene“ verwechselt.
Heutzutage arbeitet ein Großteil der Gogos in Tänzergruppen ohne Agenturzugehörigkeit. Der Grund liegt in der Verlockung, die Agenturprovision zu sparen und somit mehr Gage zu erhalten. Der Nachteil ist jedoch, dass man sich um die ganzen Vermittlungstätigkeiten selbst kümmern muss und gerade bei zahlungsunwilligen Kunden einen enormen Zeitaufwand zum Inkasso betreiben muss. Gogos, die in Agenturen organisiert sind, haben dieses Problem nicht, verdienen in der Regel jedoch etwas weniger als „freie“ Gogos, da hier die Agenturprovision bei der Auszahlung abgezogen wird. Hierbei unterscheidet man zwischen einem Management und einer Vermittlungsagentur. Bei einem Management gilt die Höchstgrenze der Abgabe an den Manager von 20%. Der Manager versucht, seinen Schützling so viel wie möglich mit Aufträgen zu versorgen. Rechtlich gesehen wird ein Manager vom Tänzer bezahlt. Da er jedoch das Rechnungsstellen übernimmt wird oftmals fälschlich vermutet, dass der Manager den Tänzer bezahlen würde. Bei einer Vermittlungsagentur hingegen weiß der Tänzer in er Regel nicht, welchen Preis die Agentur mit dem Kunden aushandelt und seinerseits einen Preis mit der Agentur von Fall zu Fall festlegt. Es handelt sich hierbei um ein sog. Einkaufs-Verkaufs Geschäft. Große Agenturen versuchen deswegen oftmals trickreich, mit zwei Firmen an einem Tänzer doppelt zu verdienen: die eine Firma ist die Vermittlungsagentur, die mit dem Tänzer einen deutlich günstigeren Preis aushandelt als die Agentur vom Endkunden bekommt. Die zweite Firma arbeitet als Management und steckt sich nochmals bis zu 20% von dem Honorar ein. Die meist verbreitete Form beim organisierten Gogotanzen ist jedoch die „normale“ Agenturvermittlung.